Kreativität und Bildung: Forscher fordert eine Kultur der Team-Orientierung 

Abschied vom GenieDas „Tiki-Taka-Spiel“ der spanischen Fußballnationalmannschaft war im vergangenen Jahrzehnt in aller Munde. Durch ein gezieltes Kurzpassspiel und erhöhten Ballbesitz gewann die spanische Elf zwischen 2008 und 2012 zwei Europameisterschaften und den Weltmeistertitel. Auch die deutsche Mannschaft setzte unter Bundestrainer Joachim Löw auf diese Spielweise – und vor allem auf das „Team“, in dem es keine Stars gibt.

Der Kasseler Erziehungswissenschaftler Olaf-Axel Burow zeigt in seinem gerade erschienenen Buch „Team-Flow. Gemeinsam wachsen im Kreativen Feld“, dass kreative Durchbrüche und Spitzenleistungen so gut wie immer auf Teams beruhen. Burow fordert daher den Abschied vom längst überholten Geniekult und zeigt, wie Gruppenprozesse zu kreativen Höchstleistungen führen können. Für Burow ist der Weltmeistertitel 2014 der deutschen „Mannschaft“ die logische Folge eines konsequenten Team-Flow-Prozesses, wie er auch andernorts immer wieder zu beobachten sei. Ganz gleich ob Albert Einstein oder Steve Jobs: anhand zahlreicher weiterer Beispiele zeigt Burow, dass sich auch diese gemeinhin als Genies geltenden Personen stets auf ein starkes Team stützen konnten und alle großen Erfindungen der Vergangenheit letztlich Resultate des Zusammenwirkens vernetzter Individuen gewesen sind.

Entsprechend fordert der Kasseler Kreativitätsforscher eine Abkehr vom längst überholten Geniekult, der kreativen Prozessen immer noch allzu oft im Weg stehe: „Wir müssen den unangemessenen Geniekult abschaffen und ein realistisches Menschenbild, ohne Grandiositäts- und Allmachtsfantasien entwickeln und uns auf die wahre Stärke der menschlichen Spezies zurückbesinnen. Nur gemeinsam in einem gleichberechtigten Team sind wir stark.“ Zudem sei Team-Flow der einzige Weg, um mit der wachsenden Komplexität unserer heutigen Mediengesellschaft fertig zu werden und den Einzelnen vor Überforderung zu schützen, sagt Burow. Dennoch bleibe das kreative Potential in Deutschland allzu oft ungenutzt. Dies liegt nach Meinung des 63-jährigen Pädagogen vor allem an unserem traditionellen schulischen Unterrichtsmodell, das bis heute dem Genie-Mythos verhaftet sei und damit Kreativität regelrecht verschütte: „Burow plädiert daher für eine neue Lernkultur und die Schaffung kreativer Felder in der deutschen Bildungslandschaft. (bel)