Stiftung startet Hilferuf zur Rettung von 370.000 Schriften aus dem 12. bis 20. Jahrhundert.

Timbuktus HandschriftenAls islamistische Milizen Anfang 2012 die nördlichen Landesteile Malis besetzten, war auch ein Kulturschatz unermesslichen Wertes bedroht. Rund 400.000 naturwissenschaftliche, philosophische und theologische Schriften des 12. bis frühen 20. Jahrhunderts lagerten in staatlichen und privaten Bibliotheken in Timbuktu. Die Welt hielt den Atem an. Denn die Terroristen planten ihre Vernichtung.
Unter dramatischen Umständen konnten 370.000 Manuskripte gerettet werden. Seither arbeitet ein Team aus malischen und deutschen Experten daran, den wertvollen Bestand sachgemäß zu lagern und für die Nachwelt zu erhalten. Es ist ein verzweifelter Kampf mit unzureichenden Mitteln. Das Wüstenklima setzt dem Unesco-Weltkulturerbe zu. Der Zerfall der Schriften droht.

Die Gerda Henkel Stiftung, die die Expertengruppe seit 2013 unterstützt hat nun einen Hilferuf an die Staatengemeischaft gerichtet: „Angesichts des riesigen Handschriftenbestandes können die Finanzierung ihrer Erhaltung und die derzeit eben erst anlaufende wissenschaftliche Auswertung der Manuskripte nur in Form eines internationalen Konsortiums erfolgen. Eine enge Abstimmung mit den malischen Eigentümerfamilien, Behörden und Wissenschaftlern muss dabei die Grundlage aller Bemühungen um die Rettung dieses weltweit bedeutsamen Kulturerbes sein,“ erklärte Michael Hanssler, Vorsitzender des Vorstands der Gerda Henkel Stiftung.
„Diese Manuskripte sind Teil des globalen kulturellen Erbes. Wir handeln also für die ganze Welt, teilte Hanssler weiter mit.“ Zugleich machte er deutlich, dass die Rückführung der Manuskripte nach Timbuktu anzustreben ist: „Unser Ziel muss es sein, den Reichtum der Handschriften mit allen zu teilen.“

Die Förderung der Maßnahmen ist ein Kooperationsvorhaben des Auswärtigen Amts, der Gerda Henkel Stiftung und weiterer internationaler Partner. Das Hamburger Centre for the Study of Manuscript Cultures hat Umfang und Zustand der Manuskript-Bestände untersucht und unterstützt gegenwärtig deren Sicherung und Erhaltung. Die Gerda Henkel Stiftung hat bislang Fördermittel in Höhe von gut 600.000 Euro zur Verfügung gestellt. Das Auswärtige Amt hat die Rettung der Handschriften bereits mit 500.000 Euro gefördert und wird, wie das Ministerium bereits bekannt gab, weitere 350.000 Euro bereitstellen. (bue)